• Mit zwei neuen Publikationen rückt die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen EKF junge Frauen* in den Fokus. In der aktuellen Nummer der Zeitschrift «Frauenfragen» sagen Aktivistinnen, warum ihnen Feminismus, Klima, Gewaltbekämpfung, Black Lives Matter, sexuelle Gesundheit, Queer Rights oder Care Arbeit wichtig sind. Zusätzlich liefert eine breite Literaturstudie Daten und Fakten zur Situation junger Frauen in der Schweiz. Hier findest du mehr Informationen.

  • Frauenwahl 2023: Am 10. Februar 2022 fand das Wahlkampfauftaktspodium der SP Frauen statt.

    Teilnehmerinnen

    • Kathrin Schweizer (Regierungsrätin BL)
    • Samira Marti (Nationalrätin)
    • Caroline Zürcher (Gemeindepräsidentin Wittinsburg)
    • Sabine Asprion (Vizepräsidentin Stadt Laufen)
    • Regula Meschberger (ehem. Landrätin BL, Gemeinderätin)
    • Céline Gass (nicht gewählt, Reigoldswil)

    Grusswort von Miriam Locher

    Moderation: Michèle Meyer

    Wie kommt die Frau ins Amt?

    Die Wege in die Politik sind so vielfältig wie die Frauen und die Ämter, die sie bekleiden. Beim Wahlkampfauftakt der SP BL erzählten sechs engagierte Politikerinnen ihren Wahlkämpfen, verlorenen wie gewonnenen. «Wie war das?», fragte Moderatorin Michèle Meyer am 10. Februar von im Kulturhotel Guggenheim.

    Nicht einmal Wahlkampf muss zwingend sein. Caroline Zürcher, jetzt Gemeindepräsidentin in Wittinsburg, erfuhr nach ihrer ersten Wahl erst am Wahlabend, dass sie gewählt war, obwohl sie sich gar nicht zur Wahl gestellt hatte. Regula Meschberger hatte bei ihrer ersten Wahl keine Gegenkandidaten, Kathrin Schweizer machte die «klassische Ochsentour» und entdeckte, dass sie «die Exekutive viel lässiger» findet als das Parlament. Céline Gass, die für den Landrat und den Nationalrat aufgestellt war, hat beide Male verloren.

    «Nicht schlimm», sagt sie, «ich hatte keine grossen Erwartungen». Sabine Asprion, die mit 23 Jahren das erste Mal kandidierte, hat inzwischen mehr Wahlen verloren als gewonnen. Samira Marti startete mit einem Misserfolg. Auch der war nicht so wild, bitter sei es gewesen, den Kampf ums Juso-Präsidium zu verlieren. «Die Niederlagen in den eigenen Reihen tun mehr weh», sagt sie rückblickend. Irritiert war sie auch darüber, wie das Ergebnis von den Medien eingeordnet wurde.

    Das muss man aushalten oder «wegstecken», wie es Miriam Locher in der Eröffnungsrede sagt. «Das Leben geht weiter», findet Samira, die schlussendlich Nationalrätin wurde. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, sagen beide, sei in der Politik so wichtig wie Glück, Zufall und harte Arbeit.

    Keine kämpft allein – die Unterstützung der anderen

    «Alleine Wahlkampf machen ist etwas vom Schlimmsten», sagt Samira, die es wissen muss. Kathrin Schweizer findet die Zusammenarbeit in der Liste unverzichtbar. «Ich weiss nicht, was ich ohne gemacht hätte», sagt Regula Meschberger. Den Begriff «Listenfüllerin» mag sie nicht und fühlte sich auch nie so.

    Am Ende, resümiert sie, wählen Leute eine Partei. Damit es klappt, zwei Sitze zu besetzen, müssten alle Kandidatinnen mitarbeiten, auch die, die wenig Aussichten haben, gewählt zu werden. «Man muss das abstrahieren können», findet Sabine Asprion. Wer keine ganz so grossen Chancen hat, könne sich dafür auch mal zurücklehnen. Céline Gass schätzte besonders die Unterstützung von Freunden und Bekannten, die sie um ihren Küchentisch versammelte.

    Worauf kann sich eine Wahlkämpferin einstellen?

    «Auf einmal gibt es ein Plakat mit deinem Foto drauf», sagt Kathrin Schweizer, die das schon oft erlebt hat, «Leute merken, dass Du Politik machst». Ein Bekenntnis, findet sie. «Man kommt aus der Komfortzone», sagt Sabine Asprion. Es geht los mit Telefonieren, Standaktionen machen, Leute ansprechen und ihnen zuhören. Die Sicht auf Social Media ändert sich, sie werden vom Zeitvertreib zu einem Sendekanal.

    Die erfahrene Politikerin Regula Meschberger erlebte Wahlkampf als persönlichen Gewinn. «Man lernt so viele Menschen und ihre Sichtweisen kennen», sagt sie. «Ich lernte eine neue Welt kennen», erinnert sich Samira Marti an ihr erstes Mal. «Es ist wichtig, dass man ein Ziel hat, dass man sich nicht verzettelt», sagt sie heute.

    Und danach? Wieviel Gestaltung ist wirklich möglich?

    Einmal Gewählte sprechen lieber von Gestaltungsspielraum als von Durchsetzen. Es sind nicht die grossen Würfe, die die Politik ausmachen, sondern kleine Dinge und kleine Schritte, die oftmals viel Energie erfordern, sagen die, die es geschafft haben. «Man geht nicht in ein Amt, um etwas umzusetzen», sagt Regula Meschberger. Mehrheiten beschaffen sei oft mühsam und langwierig.

    Wieviel man bewegen kann, hängt auch davon ab, in welchem Gremium. Caroline Züricher findet die Arbeit in der Gemeinde befriedigend, weil sie unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Gemeindemitglieder hat. Samira Marti gibt zu, dass der Nationalrat nicht so viel Macht hat, wie viele Leute denken. Er kann Weichen stellen, aber es reden viele mit. Und am Ende ist der Ständerat womöglich anderer Meinung.

    Wer sollte kandidieren und wer nicht?

    Lange vor der Wahl steht die Kandidatur. Der Zeitpunkt dafür war für Frauen nie günstiger als jetzt. Seit dem Frauenstreik werden sie eher gewählt als Männer, wenn sie auf den Listen stehen, sagt Marti.  Wer kandidieren will, der sollte aktiv werden und Interesse bekunden, finden diejenigen, die es schon versucht haben. Oft werden sonst nur die berücksichtigt, die schon im Amt sind oder in der Vergangenheit kandidiert haben.

    Sie höre oft, dass sie als Akademikerin eben das passende Rüstzeug mitbringe, sagt Sabine Asprion. Das sei Unsinn. Spezielle Voraussetzungen gibt es nicht. Frauen exponieren sich aber stärker und sie werden bei Misserfolgen härter bestraft, hat Samira Marti beobachtet. Sich aufstellen lassen habe auch etwas von Selbstermächtigung, sich sagen zu können «Ich will etwas», sagt auch Caroline Zürcher. Perfekt 9sein muss keine. Perfektionismus stehle Zeit und Energie, die woanders fehle, und diene so nur dem Patriarchat. Das sieht Marti an den Kolleginnen im Parlament.

    «In der Politik ist man oft auf den Zufall und den richtigen Zeitpunkt angewiesen», sagt Miriam Locher und empfiehlt, seinen politischen Weg immer mal wieder Revue passieren lassen. Die Landrätin hat an nationalen, kantonalen und kommunalen Wahlen teilgenommen. Einige hat sie gewonnen, andere nicht. Auch Miriam musste «wegstecken», wenn sie nicht gewählt wurde, wenn sie Herzensthemen nicht durchgebracht hat, nicht ernstgenommen wurde, feststellen musste «dass die Gesellschaft noch nicht an dem Punkt ist, an dem ich sie gerne hätte». «Aber deshalb engagiere ich mich ja», sagt sie.

     

    Vorschläge – wie geht es weiter?

    Publikum            Ich bin persönlich angesprochen worden. Wenn der Vorstand alle anrufen würde, die in der Sektion sind, hätte das Wirksamkeit, finde ich. Wir Frauen balancieren so viele Dinge und alle sind wichtig. Da hat es einen Wert, wenn einen jemand persönlich anspricht.

    Braucht es eine Frauenliste wie in Bern?

    Kathrin                 spannende Idee, aber das Risiko, dass wir unsere Kräfte verzetteln, ist da

    Caroline               manchmal ist es schon schwer, die Liste überhaupt vollzukriegen

    Samira                  Im Moment haben Frauen auf den Listen einen Vorteil

     

    Zum Abschluss steht die Idee weiterführender Veranstaltungen und Mentoring von Neukandidatinnen im Raum; die SP Frauen Baselland bleiben dran.